1st Team verlangt Aufstiegskandidaten Münster alles ab.

Um mal Kultkommentator Frank Buschmann zu zitieren: mein lieber Herr Gesangsverein, das war ein knappes Höschen. Die ART Giants legen in der Universitätssporthalle ihre beste Saisonleistung hin und bringen den Aufstiegskandidaten WWU Baskets Münster mit erstklassigem Basketball und einer hervorragenden kämpferischen Leistung an den Rand der ersten Saisonniederlage. Münster-Coach Kappenstein zeigte sich hinterher sichtlich erleichtert. Nicht nur sein Team musste hart gegen die Düsseldorfer arbeiten, auch er konnte sich an der Linie keineswegs entspannt zurücklehnen und war hinterher schweißgebadet. Tatsächlich wurde das Spiel nach jeweils zwei Runs von Düsseldorf (1. Viertel) und Münster (3. Viertel) erst in den letzten Minuten entschieden. Der Abstand von 6 Punkten (86:79) spiegelt keinesfalls den Spielverlauf wieder.


Der Spiel­film.

 
Head­coach Jön­ke vertraute als Starting Five der gleichen Formation wie beim Sieg gegen Ibbenbüren. Allein Cameron, der mittlerweile in seine Heimat USA zurückgekehrt ist, wurde in der Starting Five ersetzt: So sollte es als Point Guard Sebastian Rathjen richten, dazu Kleiza und Paskov auf den kleinen Positionen, Kehr und Zvinklys am Brett. Die Münsteraner Universitätssporthalle, die mit mit einem kurzweiligen Abend durch einen souverän erspielten Sieg der WWU Baskets gerechnet hatte, rieb sich die Augen: Nicht ihr Team zeigte erfolgreichen Basketball, sondern Düsseldorf. Besonders Kleiza war nicht zu stoppen (21 Punkte von insgesamt 28 in der 1. Halbzeit), assistiert von Paskov (5 Assists auf Kleiza). Aber nicht nur die Forwards glänzten, das ganze Team zeigte eine geschlossene Leistung, spielte in der Offense clever seine Stärken aus und nahm dem Gegner wiederum die seinigen. Zu Anfang fanden die Münsteraner angesichts der konzentrierten Düsseldorfer Defense überhaupt nicht ins Spiel und lebten ausschließlich von Einzelleistungen. Ganz anders das 1st Team: Wo in den letzten Spielen noch Verunsicherung und statisches Spiel das Momentum blockierte, spielte man gegen den Topfavoriten der Liga variabel, schnell und erfolgreich. Ein Dreier von Center Nino Janoschek brachte schon im 1. Viertel eine 9-Punkte-Führung ein und die Halle zum Verstummen. Im 2. Viertel knüpften die Düsseldorfer dort an, wo sie aufgehört hatten, zwischenzeitlich baute man die Führung auf elf Punkte aus. Schade, dass Kleiza bald mit 3 Fouls auf der Bank Platz nehmen musste, der Foultrouble sollte sich noch rächen. Jönke brachte nun die Youngsters in Person von Krvavac und Mettner, und die taten ihren Job: zur Halbzeit ging man mit einem für Düsseldorf positiven Ergebnis in die Kabine: 36:45.


Es ist nicht überliefert, ob der Baskets Coach Kappenstein bei der Halbzeitansprache die Wände wackeln ließ. Klar ist, dass die Pause den ART Giants nicht gut getan hatte. Die WWU Baskets kamen mit ordentlich Wut im Bauch aus der Kabine und starteten einen 22:0 Run. Man schien fest entschlossen, Kleiza den Schneid abzukaufen. Der Litauer erfreute sich nun einer bissigen persönlichen Aufmerksamkeit am Rande der Legalität und wurde von Münsters Andrej König permanent unter Druck gesetzt. Derselbe König schloss den Abend mit der Erkenntnis ab, dass man an beiden Enden des Spielfelds punkten kann: in der Defense gegen Kleiza (nur noch 7 Punkte in der 2. Halbzeit) und in der Offense gegen den Rest der Welt (22 Punkte, 6 von 6 Dreier, 8 von 9 Zweier). Chapeaux. Zudem bekam Kleiza auch noch ein umstrittenes Offensiv-Foul angehängt, das ihn auf die Bank zwang. Doch wer jetzt glaubte, dass das 1st Team sich dem Schicksal ergeben würde, hatte sich getäuscht. Die Düsseldorfer schüttelten sich kurz und starteten den Re-Run, der sie wieder bis auf einen Punkt heranführte und einen ausgeglichenen Spielverlauf bescherte (Ende 3. Viertel 62:59). Im letzten Viertel entschieden Kleinigkeiten das Spiel: Kleiza in Foultrouble, ein Zvinklys, der das Düsseldorfer Spiel schon über weite Strecken getragen hatte (32 Spielminuten, 20 Punkte) und der am Ende keine Körner mehr hatte sowie  der eine oder andere Ballverlust, mit oder ohne tatkräftiger Beteiligung der Schiedsrichter. Düsseldorf wollte sich einfach nicht geschlagen geben, am Ende war die Erleichterung der WWU Baskets groß, das Spiel noch für sich gebogen zu haben. Endstand 85:79.  


Das sagt Headcoach Jönke zum Sieg:


"Die Enttäuschung über die Niederlage ist groß. Dennoch haben wir am Samstag gegen Münster unser bestes Saisonspiel abgeliefert. Kämpferisch sowie spielerisch haben wir uns gut präsentiert und sind Münster auf Augenhöhe entgegengetreten. Jetzt gilt es, das nächste Spiel gegen BG Hagen zu gewinnen. Es ist zu früh, um zu sagen, es geht nur noch darum, ob Grevenbroich, Münster oder Herten aufsteigt (alle noch keine Niederlage) – eine Saison ist länger als man denkt."

Fa­zit:


So muss das sein, wenn zwei richtig gute Teams aufeinandertreffen: guter Basketball und 110% Energie. Herausragende Akteure wie Kleiza und König gehören dazu, Emotion wie beim Ex-Düsseldorfer Goolsby, der sich mit Paskov kabbelte, schöne Plays, Speed und Kampf um jeden Zentimeter am Brett. Schade, dass die Schiedsrichter nicht mit der Qualität der Partie mithalten konnten. Dass zwei technische Fouls nicht klug sind, geschenkt – das 1st Team hat die unterkühlte Gangart abgelegt und den Willen bewiesen, von überall die Punkte mit nach Hause zu nehmen. Das Rebound-Duell mit 37:26 klar gewonnen, viermal so viele Punkte aus der zweiten Chance gemacht, ein 22:0-Run egalisiert, da kann man zur Einstellung nicht meckern. 

Weiter so Düsseldorf, am besten gleich zuhause am 21. Oktober gegen ein weiteres Topteam der Liga, die BG Hagen.

Let's go D-Town!