1st Team behält im Samstagabendkrimi die Nerven und gewinnt in Overtime gegen Hagen.

Wer am vergangenen Samstag nicht den Weg in das baufinovo Home of the ART Giants gefunden hatte, sollte einen großen Basketballabend verpasst haben. In dieser Partie war wirklich alles enthalten, was Basketball so attraktiv macht. Intensive Defense, großartige Plays, Einzelleistungen zum mit der Zunge schnalzen und auch noch ein Finale, das nur Herzpatienten nicht zu empfehlen war. Am Ende bestätigten die ART Giants ihre aufsteigende Form und setzen sich gegen die starke BG Hagen mit 86:81 in Overtime durch. Dass das Game beileibe keine vor sich hin plätschernde Angelegenheit war, zeigt sich schon allein an den zahlreichen technischen Fouls, die gegen Ende an die Gäste verteilt wurden. Hagens Litauer Nedzinkas hatte sein Nerven nicht unter Kontrolle, foulte sich selbst in der Schlussminute mit seinem zweiten technischen Foul wegen Meckerns aus der Halle und bescherte seinem Team zwei unnötige Freiwürfe. 


Der Spiel­film.

 
Da Möhring aufgrund einer starken Erkältung passen musste, Youngster Bojang nach wie vor verletzt ausfiel und Lazic und Cameron bereits die Heimreise nach Kraoatien bzw. in die USA angetreten hatten, stellte sich die Starting Five beinahe von alleine auf. Trotzdem konnte Heacoach Jönke auf das bewährte Personal setzen – wie bei der exzellenten Leistung zu Beginn der Partie gegen Münster startete Sebastian Rathjen als Point Guard, dazu Kleiza und Paskov auf den kleinen Positionen, Kehr und Zvinklys am Brett. Die Partie begann durchwachsen, beide Teams fanden nicht so recht ins Spiel und so waren die Angriffsbemühungen von zahlreichen Turnovern hüben wie drüben begleitet. Das 1st Team hatte alle Hände voll damit zu tun, die Topscorer der Gäste unter Kontrolle zu bringen. Zumindest jenseits der Dreier-Linie gelang das recht gut – eine Quote von nur knapp 22% getroffenen Würfen spricht für aufmerksame Defense, unter anderem gegen den Top-Drei-Punkte-Scharfschützen der Liga Nedzinkas. Nach fünf Minuten wunderten sich die Düsseldorfer Fans, wer sich beim Kampfgericht zur Auswechslung anmeldete. Das Düsseldorfer Management hatte aus taktischen Gründen eine Neuverpflichtung bei den ART Giants bewußt unter der Decke gehalten. US-Amerikaner DeShaun Cooper füllt ab sofort den durch den Abgang von Reggie Cameron verwaisten Ami-Spot und soll auf der Point Guard Position für Schnelligkeit im Aufbauspiel und Punkte auf der Habenseite sorgen. Und Cooper zeigte sogleich, was er so drauf hat. Der quirlige, nur 173 cm messende Point Guard wusste die Blocks der Big Men gut zu nutzen, wirbelte die Defense der Hagener kräftig durcheinander und ließ nebenbei noch den einen oder anderen Anklebreaker folgen. Dabei präsentierte sich Cooper als echter Teamplayer, denn er sollte am Ende mit 27 Punkten nicht nur Topscorer des Spiels werden, sondern auch die Assist-Wertung mit 9 direkt zu Korberfolgen verwerteten Pässen anführen. Doch die Hagener gehören nicht umsonst zu den Topteams der Liga. Besonders Nedzinkas wollte sich keinesfalls mit einer Niederlage abfinden (vielleicht zu sehr, aber dazu später). So ging man mit 32:32 schiedlich friedlich zur Halbzeit in die Kabine. 


In der zweiten Halbzeit das gleiche Bild: Die Führung wechselte hin und her, keines der Teams konnte sich entscheidend absetzen. Die Top-Akteure Cooper (26 Punkte, 9 Assists, 5 Steals) und Nedzinkas (24 Punkte, 6 Assists, 7 Rebounds) übernahmen Verantwortung, auch Kleiza, der trotz seiner 16 Punkte nicht den besten Tag erwischte, setzte entscheidende Aktionen, die aber von den Hagenern Zahariev oder Moukas mit ebenso erfolgreichen Plays beantwortet wurden. So steuerte die Partie im letzten Viertel auf eine extrem spannende Crunchtime zu. Und die hatte es in sich: Knapp eine Minute vor Spielende lagen die Düsseldorfer mit drei Punkten vorn, doch Nedzinkas netzte einen Dreier ein und wurde dabei von Zvinklys gefoult. Den fälligen Bonuswurf konnte der Litauer verwandeln. Im Gegenzug setzte Zvinklys Sekunden vor Ende zu einem seiner unwiderstehlichen Drives zum Korb an und konnte nur durch ein Foul von Nedzinkas gestoppt werden. Somit hatte es der Litauer Foward in der Hand. Sollten die zwei Freiwürfe sitzen, würde es Hagen schwer fallen, in den restlichen drei Sekunden noch zu punkten. Doch nur ein Freiwurf fand den Weg durch die Reuse: Ausgleich, Verlängerung, Dramatik, durchatmen.


Verlängerung: Beide Teams wollten das Ding nun endgültig wuppen und gaben alles für den Sieg, zwischenzeitlich mußte Cooper, der erst am Donnerstag aus dem Flieger gestiegen war, mit Wadenkrämpfen behandelt werden. Düsseldorf erarbeitete sich leichte Vorteile, Hagen blieb dran, bis es in der letzten Minute hektisch wurde. Erst verwandelte Sebastian Kehr, umringt von den Big Men der Hagener, einen Putback (insgesamt 14 Rebounds!), wurde dabei gefoult und netzte den Bonus-Freiwurf ein. Dann brannten bei den Hagenern die Sicherungen durch: Nedzinkas beschwerte sich bei den Schiedsrichtern derart massiv, dass er sein zweites technisches Foul kassierte und die Halle verlassen musste. Da wollte sein Mannschaftskollege Ribic nicht zurückstehen und handelte sich ebenfalls eins ein. Resultat: drei Freiwürfe, Kleiza behielt die Nerven und verwandelte zum Endstand von 86:81. Ehrenrunde, Feiern, blaue Flecken pflegen. 

Fa­zit:


Das macht richtig Lust auf mehr. Es war nicht alles aus der Feinkost-Abteilung, was den Fans geboten wurde, aber genau die Energie, die man von seinem Team zuhause erwartet. Und ein emotionales Spektakel noch dazu. Düsseldorf scheint den Schlüssel zum Erfolg gefunden zu haben. Einen großen Anteil daran hat Neuzugang Deshaun Cooper. Es ist eine Freude, dem US-Amerikaner zuzusehen. Er gibt dem in der Vergangenheit etwas statischen Spiel der ART Giants Variabilität und Speed, weiß seine Mitspieler einzusetzen und übernimmt auch selbst die Verantwortung. Dazu spielt er den einen oder anderen Gegenspieler spektakulär schwindlig. Gut, dass die Aufmerksamkeit der gegnerischen Defense sich nun nicht mehr allein auf Kleiza konzentrieren kann, der sonst die Hauptlast des Düsseldorfer Spiels trug. Zuhause ungeschlagen, Topteam niedergekämpft – jetzt gilt es den Trend gegen den Aufstiegskandidaten Hertener Löwen gleich am nächsten Samstag 28. Oktober 19:00 zu bestätigen.


Let's go D-Town!